Queere Nachschlagewerke

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Dass es bis heute relativ wenige Spiele gibt, in denen Bi-, Homo- oder Transsexualität dargestellt, geschweige denn gut durchdacht thematisiert wird, ist keine sonderlich revolutionäre Erkenntnis. Neu hingegen sind gleich zwei Online-Archive, die Titel auflisten, in denen vielfältige Sexualitäten eben doch Erwähnung finden oder sogar ausführlich verhandelt werden.

Queerly Represent Me wurde von Alayna Cole ins Leben gerufen, um als Nachschlagewerk sowohl für Forscher_innen als auch für Spieler_innen zu dienen. Wie Cole betont, richtet sich die Webseite vor allem an Menschen, die sich selbst als queer identifizieren. Diese nämlich könnten sich durch das Wissen um Repräsentation entweder in ihrer bereits gefestigten Identität bestärkt sehen oder Selbstzweifel zumindest kurzzeitig vergessen. Ebenso will die Autorin und Akademikerin jedoch Spielenden, die sich nicht zur LGBTQI-Gemeinschaft zählen, eine Erweiterung ihres Horizonts und ihrer Spielesammlung ermöglichen – ein wichtiger Schritt, um Verständnis für Lebensentwürfe und Identitätsprobleme zu entwickeln, mit denen man selbst nicht vertraut ist.

Die Datenbank der Seite ist in drei Kategorien unterteilt: Sexualität, Gender und Beziehungen. Alle Spiele werden jeweils einer oder mehrerer dieser Kategorien zugeordnet und mit einem Screenshot, den wichtigsten Fakten zur Veröffentlichung und einem kurzen Beschreibungstext vorgestellt. Darüber hinaus enthält das Archiv ein Quellenverzeichnis, das allerdings noch sehr überschaubar ist und vermutlich erst nach und nach erweitert wird.

Etwas umfangreicher ist schon jetzt die Lektüreliste des LGBTQ Video Game Archive, das von Adrienne Shaw, einer Assistenzprofessorin an der Temple University in Philadelphia, ins Leben gerufen wurde. Nach jahrelangem Warten hat Shaw nun dank universitärer Finanzhilfen die Zeit, das Archiv kontinuierlich auszubauen. Den akademischen Hintergrund und die Präsenz von Fördermitteln merkt man dem Projekt an: Die Professorin arbeitet sich mit Unterstützung zweier Forscher_innen sowie freiwilliger Helfer_innen systematisch durch die Jahrzehnte – von den 80er-Jahren bis heute.

Zudem bietet die Seite viel differenziertere Suchmöglichkeiten durch Kategorien wie “Characters”, “Changed in localization” und “Homophobia/Transphobia”. Auch die einzelnen Einträge fallen zum Teil länger und dank beigefügter Quellennachweise wissenschaftlicher aus, sodass sie einen guten Ausgangspunkt zum Beispiel für Bachelorarbeiten bieten.

Beide Archive sind unbedingt zu empfehlen, falls man selbst forschen oder sich einfach nur privat mit der Darstellung von Sexualität(en) in Spielen befassen und dabei ein ums andere Mal überrascht werden möchte. Oder wusstet ihr, dass Yes Man Andy Bichlbaum für das Easter Egg verantwortlich war, das in “SimCopter” von Zeit zu Zeit mit Badehosen bekleidete, schwule Männer knutschend durch die Straßen schickte?