No Stars, Only Constellations

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Der Sternenhimmel ist eine Projektionsfläche für menschliche Sehnsüchte. Blicken wir in die Nacht empor, werden aus den unvorstellbar weit entfernten Gaskugeln wie von Zauberhand Hasen, Götter und Prognosen für unsere glückliche Zukunft. Doch was sich in schöne, kompakte Formen pressen lässt, ist selten ein genaues Abbild der Wirklichkeit.

No Stars, Only Constellations ist Robert Yangs erstes Spiel seit langem, das sich nicht explizit um Sexualität dreht. Stattdessen liegt der Fokus diesmal auf anderen Aspekten romantischer Beziehungen, allen voran auf unerfüllten Erwartungen. Die Enttäuschung klingt gleich zu Beginn an, als mein in den Nachthimmel schauender Begleiter sagt, dass der Sex wirklich super sei, “aber…” – und mich dann darum bittet, einen Blick auf die funkelnden Sterne zu werfen. Was ich dort oben sehe, möchte er wissen, und ich kann es mir nicht verkneifen, anstatt auf flauschige Langohren und stolze Adler auf seinen stattlichen Penis zu verweisen.

“Be real, please, for once…”, bittet mich der zurecht entnervte Sterngucker, und führt mich nach und nach durch die Sternbilder, unter denen sporadisch die Illustrationen einer alten Sternenkarte aufleuchten. “At first, the stars were just random shit in the sky”, sagt er, und verweist anschließend auf die Göttersagen der alten Griechen, die den nächtlichen Lichtern dereinst eine neue Bedeutung verliehen.

Im Interview mit Kill Screen verrät Yang, dass er während seiner Zeit als Student auch einen Astronomiekurs besucht hat und furchtbar davon enttäuscht wurde. Anstatt spannender Geschichten erwarteten ihn dort trockene wissenschaftliche Details. Zahlen und Formeln statt intriganter Gottheiten.

Das Konzept des Weltraums war ihm viel spannender erschienen als der eigentliche Weltraum – ähnlich wie manche Menschen enttäuscht werden von Beziehungen und Partner_innen, weil sie sich mehr von ihnen erhofft haben. “It’s impossible to reach some sort of ‘pure person’”, sagt Yang, “[because] we always project our own ideas on people.”

Plötzlich steht der hübsche Typ neben mir auf. Mit der Aussage, dringend pinkeln zu müssen, verschwindet er im dichten, dunklen Gehölz. Ob er wirklich nur genug hat vom vielen Alkohol oder von den Selbstlügen, die sich im Himmel und in meinen schläfrigen Augeln widerspiegeln – ich weiß es nicht. Während um mich herum die Blätter des Waldes rauschen und die Zikaden unaufhörlich zirpen, warte ich auf seine Rückkehr.

Lange.

Ewig lange.

Vielleicht vergeblich.