Review

Hot Date

Dank eines rasanten technischen wie narrativen Fortschritts und der vielfältigen Biografien ihrer Schöpfer_innen, setzen Videospiele seit einigen Jahren dazu an, immer komplexere und bisweilen auch heiklere Themen anzugehen. Hot Date markiert die spielgewordene Speerspitze dieser Entwicklung und konfrontiert seine nicht näher definierte Zielgruppe mit einem ungewöhnlichen Szenario: Speeddating mit Möpsen.

Umschmeichelt von sanftem Kerzenschein, blicke ich tief in Lemons geweitete Pupillen, betrachte ihre wohlgeformte, wie ein nasser Lappen aus dem Mund hängende Zunge und stelle die alles entscheidende Frage: “Would you like to see my collection of 90s R’n’B memorabilia?” Ein wenig angespannt blicke ich auf die Uhr im Hintergrund, die Zeit scheint stillzustehen, dann endlich erklingt die erlösende Antwort. Mein Gegenüber verweist begeistert auf die eigene R.-Kelly-Merchandise-Kollektion und ich blicke einer strahlenden, gemeinsamen Zukunft entgegen. Bis Lemon plötzlich meint, ihr sei stinklangweilig und ich solle mich verpissen.

Der gemeine Mops scheint ein launischer Zeitgenosse zu sein, denn die anderen Dates verlaufen ähnlich: Ganz egal, mit welchem Namen ich mich vorstelle, völlig irrelevant, welche der vorgegebenen und immermal wieder geringfügig variierenden Fragen ich auswähle – wirklich hold ist mir der Zufallsgenerator nicht. Denn der bringt zwar zum Teil grandiose Antworten hervor, doch das erhoffte romantische Intermezzo bleibt konsequent aus.

Erst als ein Bug dazu führt, dass eines der Dates partout nicht endet, keimt Hoffnung auf. Nachdem sich “Satirical-Surrealist-Hentai”-Fan Wagwan Bredrin zunächst den gegenüber unserem tête-à-tête zu bevorzugenden Tod herbeiwünscht, führt das gemeinsame Ausharren zu einem Sinneswandel und schließlich zu einer herzerwärmenden Liebeserklärung.

Plötzlich läuft es auch mit den anderen Beteiligten besser: Euphorisch gründen wir Jazzbands, preisen die vorgeblichen Qualitäten von “Rollercoaster Tycoon 2” an und necken uns. Ob der geballten Emotionen und des gelungenen Ambientes erscheint es kaum zu hoch gegriffen, Hot Date als den derzeit weltbesten Mops-Speeddating-Simulator auszuzeichnen. Oder, um es mit Wagwans Worten zu sagen: “I’ve been on a lot of dates. I mean a lot. And let me tell ya, this is up there with the best of ’em.”

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